Die Vespa wird dieses Jahr 66 Jahre alt und ist in der Zwischenzeit zur Legende geworden.Sie verkörpert immer noch die Sehnsucht nach Freiheit, Mobilität und den Drang nach dem Süden.Der Flugzeug- und Triebwerkhersteller Piaggio in Pontedera/Toscana musste sich nach dem Zusammenbruch1945 auf die Herstellung neuer Produkte besinnen.Enrico Piaggio hatte eine Idee, wie er, nach vielen Jahren der Entbehrung, den Drangder Menschen nach mehr Bewegungsfreiheit entgegen kommen konnte. Doch denersten Entwurf eines Rollers von Renzo Spolti, den MP 5 (Paperino), verwarfEnrico Piaggio, der Roller hatte keinen freien Durchstieg.Der vorausschauende Unternehmer hatte bereits an die modernen Frauengedacht, die den Roller bequem im Rock benutzen sollten.Erst der Prototyp, den der Hubschrauberkonstrukteur Corradino d´ Ascaniofertigte, fand sein Wohlwollen, der Roller wurde wegen seiner Form Wespe(ital. Vespa) genannt.Chronik der VespaEs war eine sehr feminine, erotische Form, Spötter behaupteten, Gina Lollobrigida habe Modell gestanden.Beim Bau sollen auch noch die Reste aus dem Flugzeugbau Verwendung gefunden haben, so z.B. die 8" Spornräderder Flugzeuge sowie der 98 ccm Antriebsmotor der Propellermaschinen. Auch die noch vorhandene Tarnfarbe soll der Vespa zu ihremtypischen Grün verholfen haben. 1946 kam sie auf den italienischen Markt, wo sie, viel beachtet, den Siegeszug durch Europa antrat.1949 wurde die Vespa auf der Frühjahrsmesse in Frankfurt/M. erstmals dem deutschen Publikum vorgestellt. DKW lehnte damals dieangebotene Lizenz ab. Der Fahrradproduzent J.O. Hoffmann bewarb sich um diese Lizenz für den deutschen Markt und konnte im März1950 in Lintorf bei Düsseldorf mit der Produktion beginnen.Bereits 1954 kam wegen Lizenzverstoßes das Aus für Hoffmann. 1954 bis 1957 baute Messerschmitt in Augsburg die Vespa weiter.Danach gründete Piaggio eine deutsche Tochter, die "Vespa GmbH Augsburg", die in Haunstetten bei Augsburg den Roller für dendeutschen Markt fertigte. Ab 1963 kamen die 50er Modelle dazu.In der Werbung hieß es: "Überall ist Vespaland"!Blütezeit der Vespaclubs waren mit etwa 250 Zusammenschlüssen und ca. 14.000 Mitgliedern die frühen 60er Jahre. Präsident war damalsder Grand-Prix-Rennfahrer Hans Stuck, der 1958 dieses Amt von seiner Durchlaucht Prinz zu Lippe übernommen hatte.Die Vespafahrer waren somit die Ersten, die gegen alle damalige Vorurteile den völkerverbindenden Gedanken vom vereinten Europapraktizierten.Sie hatten sogar eine eigene Sprache, das Vesperanto. Man rollerte nicht, sondern man veSPAZIERTE. Ein Paar war ein VesPAAR, einVesPÄRCHEN. Man feierte VesPARTIES, trank VesPRESSO und hatte VeSPASS.Jürgen O. Rahmer